(Kein) Ende der Käfighaltung

Der kommende Neujahrstag soll eigentlich ein guter Tag für die europäischen Hühner sein. Denn ab dem neuen Jahr ist in der gesamten Europäischen Union die konventionelle Käfighaltung von Hühnern in sogenannten Legebatterien verboten. Käfige sind bei der Eier- und Fleischproduktion weiterhin erlaubt, aber die Hühner haben dann einen gesetzlichen Anspruch auf mehr Platz, einen Scharrbereich, Sitzstangen und Nester. Doch sogar diese minimalen „Hafterleichterungen“ werden den Vögeln oft immer noch verweigert.

13 Ignoranten

Obwohl das Verbot der konventionellen Käfighaltung bereits 1999 von der EU beschlossen wurde, wird es in knapp der Hälfte der Mitgliedsstaaten nicht umgesetzt. Während Legehühnerbatterien beispielsweise in Deutschland, Österreich und Schweden schon vor einigen Jahren vorzeitig verboten wurden, wird das geltende europäische Recht in 13 von 27 EU-Staaten zurzeit einfach ignoriert. Dies sind nach Angaben der Europäischen Kommission die Niederlande, Belgien, Polen, Litauen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und Zypern.

750 Quadratzentimeter zum Leben

Die EU-Kommission hat Strafverfahren gegen die säumigen Mitgliedsstaaten angekündigt. Doch selbst nach den neuen Regeln zur Käfighaltung werden die Legehennen keineswegs artgerecht gehalten. So bedeutet das größere Platzangebot für die Hühner nur, dass jedem Tier 750 Quadratzentimeter im Käfig zur Verfügung stehen – das ist weniger als die Größe Ihres Computerbildschirms. Tierschützer kritisieren außerdem, dass die Scharrbereiche und die Nester für die Tiere zu klein sind.

Kleingruppenhaltung bietet mehr Platz

In Deutschland gelten für Hühner in Käfighaltung bessere Bedingungen. Hier wurde nämlich die sogenannte Kleingruppenhaltung entwickelt, die über die Mindestvorgaben der Europäischen Union hinaus geht. In der Kleingruppenhaltung werden etwa 40 bis 60 Hühner gemeinsam gehalten. Hier hat jedes Tier hat etwa 800 bis 900 Quadratzentimeter Platz – außerdem gibt es für jeweils zehn Hühner rund 900 Quadratzentimeter zum Scharren und Picken, abgedunkelte Nester zur Eiablage und erhöhte Sitzstangen. Diese Haltungsform gilt als Kompromiss zwischen artgerechter Tierhaltung und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Tierschützer lehnen aber auch die Kleingruppenhaltung ab.

Wir bevorzugen die Nulllösung

Ich finde, man sollte grundsätzlich überhaupt keine Eier aus Käfighaltung kaufen – wir holen schon seit Jahren nur Bio-Eier. Anhand des roten Herkunftstempels auf den Eiern kann man erkennen, wie die Hühner gehalten wurden – entscheidend ist hier die einzelne Ziffer ganz links! Wir bevorzugen die Nulllösung, denn eine Null („0“) steht für Bio-Eier. „1“ bedeutet Freilandhaltung, „2“ kennzeichnet Bodenhaltung und „3“ bedeutet, dass die Hühner in Käfigen gehalten wurden.

Versteckte Käfigeier

Leider können wir dadurch nicht ausschließen, dass auch Eier aus Käfighaltung auf unserem Speiseplan landen. Denn viele Eier werden vor dem Konsum verarbeitet – und auf Produkten, wie Backwaren oder Nudeln, muss die Herkunft der Eier nicht angegeben werden. Wir alle essen also vermutlich immer noch viele versteckte Käfigeier. Trotzdem haben wir Verbraucher großen Einfluss auf die Haltungsbedingungen der Hühner. So stammten 2007 zwei Drittel der Eier im Einzelhandel aus Käfighaltung, 2010 waren es nur noch 16 Prozent.

Lesen Sie dazu mehr: Kein Ei mit 3!

7 Gedanken zu „(Kein) Ende der Käfighaltung

  1. R. Scholz

    Lieber Herr Frerichs!

    Danke für diese erhellende Analyse eines verborgenen Skandals. Es darf doch nicht sein, dass die von Ihnen aufgelisteten „13 Ignoranten“ mit ihrer Strategie durchkommen und ungestraft gegen geltendes Recht verstoßen. Ich finde, jeder Verbraucher sollte Eier aus den genannten Staaten boykottieren.

    Danke, R. Scholz

    1. Stefan Frerichs

      Sehr geehrte(r) Frau/Herr Scholz!

      Es bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen, ob Sie Eier aus den genannten „13 Ignoranten“ boykottieren. Der von mir vorgeschlagene Weg der „Nulllösung“ (also nur Eier in Bio-Qualität zu kaufen) setzt viel grundlegender an, weil sie dann nicht nach Herkunftsland sortieren müssen. Außerdem kommt durch den Druck der EU-Kommission in die Sache Bewegung. So haben Belgien und die Niederlande angekündigt, die Kleingruppenhaltung nach deutschen Vorbild einführen zu wollen.

      Mit freundlichen Grüßen, Stefan Frerichs

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