Umweltforschung mit Earthwatch

Sterbende Gebirgswälder in Böhmen, seltene Singvögel in Ungarn, bedrohte Seeadler in Schottland! Ich habe in den vergangenen Jahren als zahlender Gast bei mehreren Forschungsprojekten mitgemacht, bei denen Wissenschaftler verschiedene Fragen des Umweltschutzes untersuchten. Organisiert wurden diese Aktivurlaube vom Earthwatch Institute. Das ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Boston, die Wissenschaftler in aller Welt mit Geld und freiwilligen Helfern unterstützt.

Klimawandel, Ozeane und Wildnis

Neben der Zentrale in Boston hat Earthwatch weltweit noch sechs Büros – unter anderem in Oxford, Hongkong und Melbourne. Die Organisation wurde 1971 vom US-Unternehmer Robert Citron gegründet. Er wollte damit nicht nur wissenschaftliche Forschungen finanzieren, sondern auch Laien die Mitarbeit an solchen Projekten ermöglichen. Seitdem haben mehr als 110.000 Freiwillige bei Earthwatch-Projekten in aller Welt mitgemacht. Thematisch gliedern sich die Projekte (Earthwatch selbst spricht von „Expeditionen“) in die Bereiche „Klimawandel“, „Ozeane“, „Wildnis und Ökosysteme“, aber auch „Archäologie und Kultur“.

Folgen von saurem Regen

Meine erste „Expedition“ führte mich im Sommer 1993 nach Nordböhmen. Dort untersuchten Botaniker und Hydrologen der Karls-Universität Prag die Wirkung von saurem Regen auf die Wälder und Trinkwasserquellen im Isergebirge. Die Wissenschaftler und Studierenden sowie wir fünf Freiwilligen waren vorwiegend damit beschäftigt, den Zustand von Bäumen und PH-Wert von Gebirgsbächen zu dokumentieren. Untergebracht waren wir in einem leer stehenden Ski-Hotel, als Verpflegung gab es deftige böhmische Küche.

Angelsächsische Ausrichtung von Earthwatch

Die zahlenden Gäste bei den „Expeditionen“ kommen meist aus Großbritannien und den USA – kein Wunder bei der angelsächsischen Abstammung und Ausrichtung der Organisation. Das habe ich auch bei Projekten bemerkt, die ich später mit Ornitologen in Ungarn und Schottland gemacht habe. Die Verkehrssprache bei den „Expeditionen“ ist Englisch – auch in nicht-englischsprachigen Ländern. Jedes Jahr gibt es mehr als hundert Projekte auf allen Kontinenten und sie dauern in der Regel ein oder zwei Wochen.

Viel Zeit für Forschung

Das besondere an Earthwatch-Projekten ist, dass man intensive Einblicke in Umweltforschung aus erster Hand bekommt. Wissenschaftler und zahlende Gäste verbringen viel Zeit miteinander – tagsüber bei abwechslungsreicher Feldforschung und abends in gemütlichen Unterkünften. (Neben dem erwähnten Hotel, war ich auch auf einem Zeltplatz, in einem Privathaus und in einer Jugendherberge untergebracht). Dadurch hat man viel Zeit, um Fragen zu stellen, konkrete Umweltarbeit zu machen und die Aufgabenstellungen des jeweiligen Fachgebietes kennenzulernen.

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Internet-Seiten über Earthwatch:
Earthwatch: www.earthwatch.org/

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